VIDNA OBMANA & STEVE ROACH

The Live Story:

While Steve Roach and Vidna Obmana walked different paths in the beginning of their careers (early 80s) about 10 years later they met in person in Germany during Steve’s early European tour. Their instant mutual understanding led to Vidna Obmana flying over to the Timeroom Studios (Tucson, Arizona) in 1994. What followed is perhaps one of the most intense, fruitful and prolific collaborations both composers experienced and realized in their careers. Apart from recording six full collaborative albums on Projekt Records and the numerous contributions to each other’s work, Steve Roach and Vidna Obmana became soul brothers and life long friends.

Their engagement together in the live setting became the crucible that informed all their work together. This fearless alliance for the live experience led to numerous concerts together in Europe and the US up through the early 2000’s. This fueled their sound that compared to nothing at the time, and the innovations from these adventures defied the descriptives and boundaries of ambient, tribal, avant garde etc.

Even when Dirk Serries’ Vidna Obmana project faded out and he walked different artistic paths, they remained in contact and waited patiently to unveil the archive and explore new material in the future. This live collection shows them in prime form, exposing an extreme respect for each other musically and creating music, whether based upon existing motives or pure improvisation, with pure enthusiasm, fun and on a constant edge of pushing the envelope for themselves and their audiences.

The life and live story continues here with this collection of four concerts….to be continued. 

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Read EXPOSE‘s beautiful review :
Just one month or so after the Circles and Artifacts remaster, we have the release of The Live Story (Portland – Italy – Milwaukee – Netherlands), four complete live shows recorded between 1997 and 2000, a massive seven-and-a-half hour compilation of live material. Yes, you read that correctly!  Seven and a half hours that might take the better part of a week of evenings to go through, but definitely worth it. The first concert presented is from November 9th, 2000 at The Old Church in Portland, Oregon, a show that would correspond to the Circles & Artifacts period, but it couldn’t be more different. Everything the duo creates is composed in real time with whatever instrumentation they have on hand at the time. In their respective studios in Arizona and Belgium, they have everything at their disposal, whereas in a live setting they are limited to what instruments they have on hand, and that night in Portland, hand drums, shakers, and other percussion instruments were a major part of the equation, as well as voices, the feeling is very tribal. None of the tracks have titles (simply “Portland 1,” “Portland 2” etc.) and that applies to all of the live shows in this set, and to be fair, each of the shows are pretty much a long live continuum, without any gaps. Next, we cross the Atlantic and go back in time a couple years to July 26, 1997 to Verucchio, Italy for their performance at the Verucchio festival, then a few days later for a show at Shank Hall in Milwaukee on July 30th, while the final show presented here was recorded November 1st, 1997 at Theater 3-in-1 in Huizen, The Netherlands. These final three shows in the set were all from a six-month period in ‘97 corresponding to the Cavern of Sirens period, but don’t go there for any hints as to what this sounds like — remember what I said about studio vs live and composing material in real time on the spot. Some of this material was released in the Spirit Dome – Live Archive (parts of the Verucchio festival and Shank Hall shows) by Projekt back in 2009, from an earlier release on Groove Unlimited in 2000, and the Portland show was previously released as Live in Portland 11 09 2000 in 2023. In conclusion, it’s all excellent and different from what one might expect, but it’s a lot of listening, better taken in one show at a time.

KRAUTNICK review :
Wenn jemand mal eben kurz siebeneinhalb Stunden Zeit hat und nicht so richtig weiß, was er damit anfangen soll, empfiehlt sich „The Live Story“, eine Sammlung von vier gemeinsamen Gig-Mitschnitten der Soundtüftler Steve Roach aus Kalifornien und Dirk Serries aus Antwerpen, jener unter seinem Alias Vidna Obmana. Aufgenommen zwischen 1996 und 2000, präsentiert das Duo diese Performances uneditiert und zum eskapistischen Mitchillen: Das ist Ambient, versetzt mit Experimenten, eine zeitlose Reise durch unermessliche Sphären, gelegentlich auch mit ansprechenden Schräglagen.

Eigentlich hätte man bei der Kombi der beiden Experimentatoren etwas Wuchtigeres erwartet als das, was man hier bekommt: Kein Industrial ist zu hören, keine Electro-Tracks, nicht einmal so richtig deftig ausgeprägt der Tribal, für den die Roach und Serries auf ihren gemeinsamen Studioalben – das erste, „Well Of Souls“, erschien 1995 und erhielt jüngst eine Wiederveröffentlichung – bekannt waren. Rhythmen sind hier, sofern überhaupt, zumeist lediglich zart angedeutet, als Struktur zum Festhalten, während man in die Unendlichkeit blickt, generiert vermittels Soundscapes.

So zumindest in den ersten zwei Stunden, die einem Gig in Portland gehören, mitgeschnitten in der wohlig halligen Old Church am 9. November 2000 und bereits vor zwei Jahren als Download zugänglich gemacht. An der Frame Drum unterstützte damals Jeffrey Fayman, den Rest übernahmen die Hauptakteure, und zwar waren das neben Synthies, Percussions – darunter der Regenmacher – und schamanischen Gesängen die slowakische Schnabelflöte Fujara und das Didgeridoo, und wer jetzt glaubt, diese Instrumente fortwährend heraushören zu können, rechnet nicht mit der Verfremdungskunst des Duos; der Hauch von Blasinstrumenten weht hingegen durchaus erkennbar durch viele Passagen. Nicht alles ist hier auf Schönheit und Wohlgefallen ausgelegt, Serries und Roach lassen die Stimmung durchaus auch mal kippen, in ein leichtes Unwohlsein, und dezente Beklemmung, mit Halbtönen und Akkordverschiebungen, nicht aber mit Tempo oder harschen Geräuschen. Sobald es rhythmischer wird, mag man sich an die alten Trance-Tracks von Dead Can Dance erinnert fühlen, die die Kombi aus Versunkenheit und Tanz etablierten. Nach der Hälfte des Gigs dringt kurzzeitig eine gewisse Nervosität in die Rhythmen ein, die im Kontrast zu den sphärischen Sounds leicht an frühe Stücke von Aphex Twin erinnert; Richard D. James hatte da mal einen Track, der nach einem der hier eingesetzten Instrumente benannt war.

Die nächsten drei Konzerte verarbeitete das Duo bereits anteilig im Jahr 2000 auf dem Album „Live Archive“, und zwar, indem es Ausschnitte daraus neu kombinierte und zu eigenen Stücken zusammensetzte. Hier gibt’s die fünfeinhalb Stunden Rohmaterial nun am Stück, beginnend mit dem Auftritt am 26. Juli 1997 beim Verucchio Festival in der Arena Mura del Fossato in Verucchio, Italien. Die Versuchsanordnung ähnelt sich, alles ist Ambient mit Hall und shakenden Grooves, generiert hier zusätzlich mit Flöten, dazu erklingt auch mal ein Wispern, und auch hier tragen viele Atmosphärenwechsel etwas Düsteres, Unkomfortables und lassen den Mitschnitt als Ganzes leicht beklemmend wirken, in etwa wie den Soundtrack zu einem düsteren Film. Alsbald wandeln sich die Soundscapes tatsächlich in etwas Rhythmisches aus, werden dadurch aber kaum weniger dunkel.

Der Milwaukee-Mitschnitt vom 30. Juli 1997 aus der Shank Hall beginnt weit perkussiver als die bisherigen Auftritte. Zunächst sogar ohne Soundscapes, die kommen später erst hinzu, und dennoch strahlt der Gig – auch mit dem Hall – mehr Leere aus als die vorherigen, bei gleichbleibender Düsternis. In Sachen Horror-Score legt dieser Beitrag sogar noch zu, die Stimmung ist noch um einiges bedrückender als bei dem Set aus Italien. Als Instrumente sind hier zusätzlich Pipes eingesetzt, die das Duo für die Soundscapes verwendet, und auch spooky Stimmen sind hier im Hallraum wahrzunehmen. Da die fragmentarischen perkussiven Parts in einer loopartigen Form zum Einsatz kommen, ist hier eine Nähe zum Industrial am ehesten auszumachen. Erst nach einer Weile gewinnt der sphärische Ambient wieder Oberhand, mit Regenmacher und Vogelstimmen wähnt man sich gar im Urwald. Doch auch dort, das weiß man und das erfährt man hier, drohen Gefahren und ist es unheimlich. An diesem ungastlichen Ort verweilt das Duo indes nicht, sondern kehrt zurück in die Einsamkeit eines hallenden Raumes – und sogar ein einen Club, zu einem ansatzweise als solchen wahrnehmbaren Technobeat. Bevor der Gig ins Leere rollt.

Dort beginnt der Auftritt in den Niederlanden, der vierte und letzte dieser Sammlung: Am 1. November 1996 traten Serries und Roach in Huizen auf, im dortigen Theater 3-in-1. Dieser Gig beginnt mit den dunklen, schräggeneigten Soundscapes, die rhythmischen Elemente treten erst im Verlauf und nur spärlich hinzu; deren reduziert shuffelndes Auftreten hat etwas von manchen Scores spannender Thriller. Didgeridoo und Regenmacher hat das Duo neben den Percussions und Synthies abermals dabei, ebenso Flöten. Hier lassen die Soundscapes bisweilen wieder etwas Harmonisches zu, in dem man abtauchen möchte, das die beiden Improvisateure dann aber alsbald dennoch mit Neigungen versehen. Irgendwann landet man dann doch wieder mit ihnen im Gespensterschloss. Aus dem trauen sich die beiden auch eher selten heraus; mal gibt es eine leicht musikalische Sequenz, die den Ansatz einer Melodie und einer Tanzbarkeit trägt, eine Unter-Wasser-Passage mit richtig schönen Synthieflächen oder so etwas wie orientalische Percussion, zumeist aber kratzen, schaben, rasseln, ächzen, schleifen auf nebligem Grund. Und doch endet alles entspannt, außerhalb düsterer Mauern, eher wieder im Urwald.

Die siebeneinhalb Stunden sind verteilt auf 44 einzelne Tracks, die nach den Auftrittsgegenden benannt und druchnummeriert sind. Übergänge setzt das Duo nicht willkürlich, es sind in der Tat Veränderungen innerhalb der Gigs auszumachen, sobald ein neuer Index ansetzt. Das hier ist offenbar alles improvisiert, und so gut, wie es zusammengreift, kann man sich nur freuen, dass die beiden Tüftler sich dereinst über den Weg liefen und ihre gemeinsamen Leidenschaften auszuleben begannen.