DIE REGENINSEL REVIEWS

BAD ALCHEMY REVIEW :
DIRK SERRIES und ASMUS TIETCHENS, das geht gut zusammen: Bei „Air“ (2019, A New Wave Of Jazz) – Clarinet, Melodica, Concertina, Accordion, Harmonica meet Treatments. Bei „Die Höfner Akten“ (2022, Auf Abwegen) – Acoustic Guitar meets Processing. Als Be­gegnungen des Hamburger Klangkunstmeisters mit einem alten Bekannten, der sich da als Improvkünstler bereits halbwegs neu erfunden hatte. Vorausgegangen sind dem näm­lich „Asmus Tietchens . Vidna Obmana“ (1995), „Motives For Recycling“ (1999 – Serries recyclet Tietchens) und „The Shifts Recyclings“ (2002 – beide recyclen Klangmaterial von Frans de Waard). Nun also Die Regeninsel (ACU 1099): ‘Sturm’, ‘Regen’, ‘Nebel’, ‘Wolken’, ‘Elmsfeuer’, ‘Dunst’ – E-Gitarre und Processings. Tietchens hat neben Klangbildern mit cioran’schem Pinsel („Zwingburgen des Hedonismus“, „Daseinsverfehlung“, „Leere und Zerfall“), Dystopien und Nachtstücken („In die Nacht“, „Notturno“, „Dämmerattacke“, „Spät-Europa“, „Seuchengebiete“, „Abraum“), Abstraktionen („Flächen mit Figuren“, „Humoresken und Vektoren“), Hydrophonien oder Elektronenmikroskopien („α-Menge“…) auch schon konkrete Natur- und Landschaftsbilder gemalt („Eisgang“, „Tarpenbek“, „Bu­bendey“). Neben dem ‘Weltanschauungs’-Realismus und dem konkreten der Atome und Moleküle scheint im dröhnenden Sturm und Drang die nüchterne, stoisch oder ironisch distanzierte Perspektive nun sogar offen zu sein für ein orgelndes, zittrig verzerrtes Pa­thos. Aber war nicht immer schon das Zitieren von Cioran ein ‘leidenschaftlicher Leit­faden’, eine möglichst unhysterische Klage über die ‘verfehlte Schöpfung’? Und der hier von Gitarrendrones destillierte ‘Orgel’-Klang etwas, das sich hinter Hans Henny Jahnn als weiterer Leit- und Leidfigur angestaut hat? Als das existenzielle Fluidum, als ‘Fluss ohne Ufer’ für ‘sinkende Schwimmer’? Wasser in sechserlei rauschenden Aggregatzuständen, in Wellen, Schwaden, Tropfen, als Sphäre, vom Fruchtwasser bis zur ‘Abfleischung’, zum Leichengift. Als melancholische Unterströmung, als unterschwelliger Dauerton, über Jahrzehnte hinweg getarnt durch makaber-süffisante Lakonie: ‘Himmelfahrt der Wachs­leichen’, ‘Das tellurische Gangrän’, ‘Idyll im Obszän’, ‘Anthroposaurus’, ‘Flugasche’… Serries mit seinen Streams of Consciousness öffnet sich dem ‘Carneval of Ourselves’ ozeanisch, zeigte sich aber als Fear Falls Burning ebenfalls schon angefasst durch Dis­order und durch Feuer. Regen oder Traufe – wählt.

MOORS MAGAZINE REVIEW :
Dirk Serries electrische gitaar, outboard effecten, Asmus Tietchens: processings.
De Belg Serries is bekend als gitarist die de grenzen opzoekt van wat er met zijn instrument mogelijk is, en hij gebruikt daar ook vervormende middelen bij. Tietchens is een componist van elektro-akoestische muziek die in zestig jaar tijd een oeuvre aan ambient, industrial, noise, and musique concrète heeft opgeverd waar je U tegen zegt,
De twee werken al ruim dertig jaar samen, maar met hun nieuwe album Die Regeninsel slaan ze een andere weg in. De muziek is opgebouwd rond de elektrische gitaartexturen van Serries en ontvouwt zich tot weidse, meeslepende drone-ambientlandschappen. Tietchens geeft daar een nieuwe vorm aan. Als luisteraar moet je vvooral open staan voor muziek die je niet alke dag hoort en geluiden die je ook niet meteen met een regeneiland zult associëren. Muziek voor luisteraars met een avontuurlijke geest die bereid zijn open te luisteren, en dan gebeurt er wel wat. Luister vooral ook vaker dan één keer.

KRAUTNICK REVIEW :
Der Titel „Die Regeninsel“ klingt romantischer als die Musik, die sich auf dem so benannten Album findet. Dronemeister Dirk Serries und Soundavantgardist Asmus Tietchens verbrüdern sich zum sechsten Mal, um auf der Gitarre generierte Geräusche in Soundscapes, Ambient, Drones und weiteres Kopfkino zu verbiegen. Für jedes ihrer gemeinsamen Alben wandten sie eine andere Herangehensweise an, dieses Mal manipulierte Tietchens die von Serries an diversen Effektgeräten erzeugten Gitarrensounds zu unheimlichen Wetterlagen. Nach Gitarre indes klingt hier gar nichts mehr – so geht das, wenn zwei Zauberer zusammenkommen.

Das ist doch eine Orgel, denkt man, sobald der „Sturm“ losbricht. Das Losbrechen indes vollzieht jene Wetterlage nicht auf eine wegblasende Weise, das hier ist eher entspannt, aber gruselig. Wie Sounds aus einem Horrorfilm, und hier geschieht es auch erstmals, dass Tietchens die Sounds von Serries zu etwas umdeutet, das man beinahe als perkussiv auffassen könnte. Selten, jedoch keineswegs rhythmisch setzt er solche Effekte ein. Rhythmen sollte man hier sowieso nicht erwarten, wiederkehrende Strukturen lediglich nebulös, wie Atmosphären, die langwellig pulsieren. So auch der „Regen“, der mitnichten prasselt, sondern vielmehr als unendliche Wolke vorüberzieht.

Statt im „Nebel“ wähnt man sich anschließend teilweise wie unter Wasser, unendlich langsam treibend. Mit den „Wolken“ kehrt das gruselige Unwohlsein zurück: Töne steigen ab, als begleiteten sie abstürzende gigantische Flugapparate, während eine Art Chor im Hintergrund einen endlosen Klageton ausstößt, bis alles schwerelos davongleitet. Die „Elmsfeuer“ bringen leuchtende, leichte Partikel in den grauen Hintergrund; da kann man sich kaum vorstellen, dass diese Kalebassensounds und Glitches einmal einer Gitarre entsprangen. Zuletzt versinkt allen im „Dunst“, und er hat so einige schräge, ungemütliche Sounds in petto, kombiniert mit solchen, die man für vertraut hält, aber nicht zuordnen kann – klingt da die Gitarre etwa nach einer Flöte? Oder nach einer Singenden Säge? Oder, um es mit Gabriel Burns zu fragen: War da nicht sogar … ein Atmen?

Der in Frankreich ansässige belgische Gitarrenmanipulator Serries und der 1947 in Hamburg geborene Experimentalmusiker Tietchens arbeiteten hier nicht zum ersten Mal zusammen. Jenes erste Mal erfolgte bereits vor über 31 Jahren mit einem titellosen Album, gefolgt 1999 von „Motives For Recycling“ und 2002 von „The Shifts Recycling“, letztere beide mit Neubearbeitungen bereits existierender Musik, allerletztere aus fremder Feder, nämlich von Frans de Waard. Dann war erstmal Stille, also nicht im Ambient-Sinne, sondern Pause, bis sich das Duo 2019 wieder zusammentat, zunächst für das Album „Air“ und 2022 für „Die Höfner Akten“ (nur echt ohne Bindestrich). Nun verweilen sie auf einer Regeninsel.

LOOP REVIEW :
En los últimos 30 años, el músico experimental belga Dirk Serries (conocido como Vidna Obmana) y el pionero de la música electroacústica Asmus Tietchens han colaborado en un constante intercambio y deconstrucción de archivos sonoros, en lo que ellos mismos denominan «reciclaje musical». Mientras Serries graba improvisaciones utilizando instrumentos acústicos y eléctricos, Tietchens procesa, fragmenta y manipula este material mediante computadoras y electrónica avanzada: microsonidos, software digital y técnicas análogas como los cut-ups y la desaceleración de archivos digitales.
Tras haber publicado tres álbumes como Vidna Obmana en conjunto con Tietchens, además de otros dos bajo sus nombres reales, «Die Regeninsel» («La isla de la lluvia») se convierte en su sexto trabajo colaborativo. Editado el 6 de junio de 2026 por el sello alemán Attenuation Circuit, el disco cuenta con una edición limitada de 200 copias en formato CD. En esta obra, Dirk Serries se encarga de la guitarra eléctrica mediante el uso de procesadores físicos y pedales de efectos, mientras que Asmus Tietchens asume el diseño y procesamiento de los sonidos.
«Die Regeninsel» en sus seis cortes transita entre el ambient y el dark ambient, con pobladas zonas de drones interminables, cuyos tracks se refieren a diferentes estados meteorológicos.
El álbum abre con “Sturm” (“Tormenta”) cuya atmósfera industrial se compone de viñetas de ruidos metálicos de ribetes oscuros, sin embargo, “Regen” (“Lluvia”) navega por aguas calmas donde la guitarra muestra loops de delays deslizándose suavemente.
“Nebel” (Niebla”) entra en espacio inquietante cuyos drones sirve de base para que capas de ruido microscópico se combinen con sonidos tubulares que continúan desplegando en “Wolken” (“Nubes), al tiempo que no quedan vestigio de la guitarra de Serries. Tietchens se ha encargado de deconstruirla y resignificarla como una envoltura espacial. En “Elmsfeuer” (“Fuego de San Telmo”) emerge un sonido orgánico que se contrae y se expande, en tanto en “Dunst” (“Vapor”), se advierte que después de una tormenta se produce un fenómeno de condensación, donde los sonidos se vuelven abstractos y densos.
A diferencia de sus texturas minimalistas, en esta oportunidad Dirk Serries y Asmus Tietchens con «Die Regeninsel», proponen adentrarse en una propuesta más evocadora y naturalista inspirada en los fenómenos climáticos.

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